"Hat Gott vergessen, gnädig zu sein?" nach Ps 77

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aus HSA: "Die Psalmen Israels"


"Hat Gott vergessen, gnädig zu sein?" Ps 77.

Immer wieder fragen die Psalmsänger in bedrängter Zeit, warum Gott sie und ihr Volk so leiden lasse. Hat er sein Volk verstoßen? Vielleicht sogar für immer? Ist seine Gnade (Güte, Liebe) erschöpft, sein Verheißungswort nicht mehr gültig? Hat Gott "vergessen", gnädig zu sein? Trimuphiert sein Zorn über sein Erbarmen (statt dass nach Jak 2:13 das Umgekehrte der Fall ist)?

In sechs Grundfragen der Verse Ps 77:8-10 stellt Asaf seine aus Not und Zweifel geborenen Fragen so ernst und radikal, dass sie an das Grundwesen Gottes rühren. Ist Gott der Gott der Gnade und Treue oder nicht? Bleibt sein Wort gültig oder nicht? Ist der Zorn sein letztes Wort? -

Anscheindend hat sich Gottes Verhalten gegen sein Volk verändert (Ps 77:11). - Doch Asafs Geist erhebt sich über das Negative (Ps 77:12ff.)und gedenkt der großen Taten Gottes in Israels Vergangenheit. Er klammert sich an Gottes Größe und Macht, doch noch ist ihm nicht zum Jubeln zumute. -

Asaf kommt es im Ps 77 noch nicht in den Sinn zu fragen, ob nicht Israels fortgesetzter Ungehorsam Gott veranlasst haben könnte, sich scheinbar von seinem Volk abzuwenden. Davon wird im folgenden Psalm die Rede sein, wo der Psalmist die menschliche Sünde, den göttlichen Zorn und die göttliche Gnade und Treue in ihrer Beziehung zueinander genauer erkennen darf.