Von den Geistlichen

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Abschrift des Buches: Der da war, und der da ist und der da kommt!
Pfarrer Theodor Böhmerle (1870 - 1927)

Aus dem Gemeinschaftsblatt für innere Mission Augsb. Bek.: "Reich-Gottes-Bote“ (1918-26)
Selbstverlag des Bibelheims „Bethanien", Langensteinbach

weitere Abschriften hier:

Inhaltsverzeichnis:
Kapitel davor:
43. Die überragende Hoheit der Kinder Gottes 1Kor 3:18-23 (1925)

44. Von den Geistlichen

  • 1Kor 12:1-12 (ELB) (1) Was aber die geistlichen [Gaben] betrifft, Brüder, so will ich nicht, daß ihr ohne Kenntnis seid. (2) Ihr wißt, daß ihr, als ihr zu den Heiden gehörtet, zu den stummen Götzenbildern hingezogen, ja, fortgerissen wurdet. (3) Deshalb tue ich euch kund, daß niemand, der im Geist Gottes redet, sagt: Fluch über Jesus! und niemand sagen kann: Herr Jesus! außer im Heiligen Geist. (4) Es gibt aber Verschiedenheiten von Gnadengaben, aber [es ist] derselbe Geist; (5) und es gibt Verschiedenheiten von Diensten, und [es ist] derselbe Herr; (6) und es gibt Verschiedenheiten von Wirkungen, aber es ist derselbe Gott, der alles in allen wirkt. (7) Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes zum Nutzen gegeben. (8) Denn dem einen wird durch den Geist das Wort der Weisheit gegeben, einem anderen aber das Wort der Erkenntnis nach demselben Geist; (9) einem anderen aber Glauben in demselben Geist, einem anderen aber Gnadengaben der Heilungen in dem einen Geist, (10) einem anderen aber Wunderwirkungen, einem anderen aber Weissagung, einem anderen aber Unterscheidungen der Geister; einem anderen [verschiedene] Arten von Sprachen, einem anderen aber Auslegung der Sprachen. (11) Dies alles aber wirkt ein und derselbe Geist und teilt jedem besonders aus, wie er will. (12) Denn wie der Leib einer ist und viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl viele, ein Leib sind: so auch der Christus.

Durch Wort und Geist neu geboren

Über die Geistlichen will heute der Apostel seine Korinther in Klarheit setzen. Geistliche sind solche Leute, welche den Heiligen Geist innehaben. Geistlicher kann niemand von Natur sein. Geistlich sein ist nicht an Amt und Stand, nicht an Stellung und Beruf gebunden, sondern an den Heiland. Geistlich sein heißt: durch Wort und Geist neugeboren. Fleischlich sein, nach den Grundsätzen des natürlichen Ich-Wesens einhergehen, ist der große Gegensatz zu geistlich sein. Fleischlich ist jemand so lange, als in seinem Denken, Reden und Tun die diesseitige Ich-Natur Wort und Ausschlag hat. Geistlich ist jemand von da an, wo er in der geistgewirkten Erkenntnis von Sünde und Tod sich selbst gestorben ist und Gott lebt in Christo Jesu, unserem Herrn. Geistlich ist der, welcher sich unter dem Schalle des Evangeliums hat in die Selbst- und Sündenerkenntnis führen lassen und da in solcher Erkenntnis den Heiland ergriffen hat. In einen solchen zieht der Heilige Geist zur Einwohnung ein, und in Ihm herrscht Christus im Herzen. Da gibt’s dann ein Christus-, ein Geistes- und ein Glaubensleben. Dieser Geistlichen gibt es nicht viele.

Religiös und fromm sein, kirchlich und gemeinschaftsmäßig gerichtet sein heißt noch lange nicht geistlich sein. Das religiöse Leben steckt bei den meisten Menschen, bei Heiden, Mohammedanern und sogenannten Christen, im Ich-Leben. Das geistliche Leben steht aber im Ich-Zerbruch und in der inneren Christus-Herrschaft. Dieses geistliche Leben nach seinen Grunderscheinungen will nun der Apostel den Korinthern schildern. Das tut not; denn da ist viel Verwechslung und Unverstand und Unkenntnis.

Der natürlich-religiöse Mensch

Paulus sagt den Korinthern zuerst, dass das Geistesleben der Geistlichen sich von allem natürlich-religiösen Leben grundmäßig und wesensmäßig unterscheide. „Ihr wisst“, schreibt er ihnen, „dass ihr Heiden wart, zu den Götzen hingerissen die nicht Antwort geben, wie ihr getrieben wurdet.“ Das natürlich-religiöse Leben gehört zum seelischen Triebleben. Der Mensch, von Natur lebendige Seele, jetzt sogar als gefangene und im Todeswesen verhaftete Seele, hat in sich das Gottwissen und das Wegwissen, das göttliche Gesetz. Darum ist der Mensch von Natur religiös. Er will einen Gott und muss einen haben. Was für einen er aber annimmt und welchem er dient, das hängt von seinem Triebleben ab. Ist er ein Mensch von gemeinen, niedrigen, sinnlichen, erden- oder geldmäßigen Trieben regiert, dann kann er das religiöse Naturleben ganz unterdrücken. Er wird dann durch sein Triebleben zu den unreligiösen Götzen getrieben. Die meisten Menschen wollen aber doch Religion. Da lässt sich der Haufe nun meist dahin treiben, wohin er geführt wird. Darum hat bei uns der Haufe die christliche Form; die ist er gewöhnt von Jugend auf. Von ihr nimmt er soviel an und auf, als ihm nach seinem gesamten Sinnen- und Triebleben und nach dessen Art passt. Das natürlich Religiöse liegt immer im Rahmen der Sinne und Triebe.

Darum kann man im natürlich-religiösen Leben die Menschen hin- und herführen, ja hin- und herreißen. Man kann das natürlich-religiöse Wesen zu den gewaltigsten Steigerungen antreiben. Denken wir an die religiösen Erscheinungen, wie sie der Buddhismus, der Mohammedanismus hervorbringen. Zu den grausigsten Qualen, ja bis zum Tode hin, andererseits bis zur Preisgabe der ganzen Menschenwürde kann der Mensch im Religiösen hingerissen werden. Denken wir in den christlichen Formen an die Kasteiungen, Selbstquälereien, an die Wallfahrten - denken wir in der evangelischen Form an manche Erscheinungen auf dem Gebiet der Evangelisation, wie da die Massen getrieben werden. Man kann das religiöse Leben zu gewaltigen Äußerungen und Steigerungen antreiben. Das Triebmäßige, das Geführtwerden, das Hingerissenwerden ist das gemeinsame Merkmal. Das haben nicht nur die Korinther in ihrem Heidenwesen gehabt, das haben auch wir auf dem sogenannten christlichen Boden bis weit ins Gemeinschaftsleben hinein.

Dies natürlich Religiöse, sinnlich Triebmäßige hat nach außen viel mehr Kraft, viel mehr Form, viel mehr Erscheinung und viel mehr Imponierendes als das Geisteswesen; es gehört eben dem Gebiet des Sehens, Hörens, Fühlens, Schmeckens an und ist auch von Erscheinungen begleitet, welche diese Triebe befriedigen. Dieses natürlich-religiöse Leben haben wir sonderlich in unseren Tagen sehr stark. Die ganzen Zeitverhältnisse in Krieg und Revolution haben es aufgetrieben und angetrieben, und viele religiöse Führer suchen es auf jede Weise zu entfachen und zu unterhalten. Und da sehen wir in unseren Tagen große Haufen sich bewegen in allen religiösen Lagern hingerissen, wo sie hingeführt werden, wie unser Text sagt. Je mehr man ihnen veranstaltet, umso mehr laufen sie. Das natürlich-religiöse Leben hat innerlich sein Naturtriebleben, äußerlich natürlich-religiöse Menschen zu Führern. Und da geht es, wohin es geführt wird. Hiervon unterscheidet sich das wahre Geisteswesen grundmäßig.

Der Geistesmensch

Das wiedergeborene Geisteswesen ist, wie 1Kor 12:3 sagt, voll und ganz vom Geiste des Herrn und damit vom Herrn selbst abhängig. Eigenführung und Triebführung verträgt das Geisteswesen nicht, das wird von ihm als Sünde empfunden. Der Geistesmensch hat in der Selbsterkenntnis gelernt, nicht mehr sich und seine Triebe zu wollen. Er ist auf den Herrn geworfen und im Heiligen Geiste dem Herrn unterworfen. Der Geistesmensch kann und will nichts anderes als der Herr will und als der Geist leitet. Darum kann ein Geistesmensch nie getrieben und hin- und hergerissen werden. Er hat e i n e n Halt: den Geist, und in ihm den Herrn. So hat Geisteswesen etwas Ruhiges, Innerliches, Festes und Gewisses. Es kann nicht dahin oder dorthin wild und ungezügelt hinausfahren.

Beim natürlich-religiösen Leben ist die B e g e i s t e r u n g, diese kann überall hingerissen werden. Begeisterung ist die Erhebung des Natur- und Sinnenlebens durch einen natürlichen Geist. Etwas ganz anderes ist die B e g e i s t i g u n g - das ist die Füllung des Herzens mit Geist von oben und die Untertanmachung der mancherlei Sinne durch diesen Heiligen Geist. Die Begeisterung stirbt: sie gehört dem Todesreich an; die Begeistigung lebt und wächst: sie gehört dem ewigen Leben an. Ein Geistesmensch kann nicht hin- und hergerissen werden. Eine Unordnung, eine Gesetzlosigkeit, eine Maßlosigkeit oder dgl. kann einer im Heiligen Geiste nicht begehen. Begegnet ihnen solches Geistesmenschen noch, so erkennen und bekennen sie es als Sünde und Abirrung ihres natürlichen Wesens. Darum kann auch niemand, der im Geiste ist, etwa blindlings religiös getrieben ausrufen: „Verflucht der Herr!“ Das ist eine Unmöglichkeit. Der Heilige Geist kann seinen Herrn nicht verfluchen. Wenn ein solcher Ausruf je bei jemandem vorkäme, so wäre das eine Offenbarung des Finsternisgeistes.

Der Heilige Geist offenbart und gibt uns Wahrheit und Kraft, die nie aus dem Natürlichen kommen könnte. So kann niemand sagen: „Jesus ist der Herr!“ ohne durch den Heiligen Geist. Diese Erkenntnis ist dem Natürlichen und auch dem natürlich Religiösen nicht gegeben. Wer Jesum als Herrn bekennt und bekennen kann, der hat den Heiligen Geist. Und völlig göttlich schaltet der Geist. Er offenbart; aber Er treibt nicht als blinder Trieb. Seine Offenbarung kann mein Ich ablehnen oder annehmen. Nur wo sie angenommen wird, wirkt sie als Lebenstrieb. Als der Stellvertreter Gottes und Jesu ist Er ebenso majestätisch und göttlich stetig in seiner Offenbarung, wie Er dem Menschen die völlige Freiheit lässt. Der natürlich-religiöse Geist zwingt und knechtet; der Heilige Geist offenbart und lässt frei. Hinreißen in ein: „Verflucht sei Christus!“ kann der Heilige Geist nie; aber das freie Bekenntnis zum H e r r n schenkt Er den Gläubigen. Geisteswesen ist darum stille, demütige Annahme der Offenbarung Gottes und Christi und das Leben in ihnen. Führer ist da Einer: der Herr im Geiste. Geistesmenschen sind Gottgelehrte und dienen einander, ein jeglicher mit dem, was er selbst gelehrt ist.

Jeder hat nur einen Teil

Das ist ein zweiter, wunderbarer Zug der Geistlichen. Keiner von ihnen hat den Heiligen Geist als G a n z e s, jeder nur e i n e n ihm völlig angepassten Teil. Es sind „Zerteilungen“, sagt der Apostel dreimal. Dadurch werden die Geistlichen so zusammengezogen; dadurch werden sie brüderlich; darum suchen sie sich so gemeinschaftsmäßig, weil jeder nur einen Teil hat. Es ist aber klar, dass ein großer Hunger da ist nach dem Ganzen. Ein Teil schreit immer nach dem Vollen. Das Volle kann einer allein aber nie haben, immer nur einen Teil. Darum mach’ ich mich nun heran an die anderen Teile und such mich mit ihnen zu vereinigen, damit ein möglichst großes Teilstück mir offenbar werde. Darum sehnen wir uns als Geistliche auch so nach dem Tag des Herrn, weil dort alle Teile zum Ganzen verbunden sind. - Das macht die Geistlichen so demütig, weil sie wissen, sie sind nur einen Teil haben, die Brüder haben die anderen Teile. Und darum erkennen wir jetzt so stückweise, weil wir immer nur eine Anzahl Teilchen kennen.

Darum drängt es die Geistlichen auch so so oft auf die Einheit des Leibes, weil sie so gerne das Ganze sähen. Darum treiben die drei Sätze von den „Verteilungen“ in 1Kor 12:4-6 auch so sehr die Einheit: „Derselbe Geist, derselbe Herr, derselbe Gott, der da wirkt alles in allen.“ Das ist der Geistlichen wunderbares Wesen: I c h b i n ein T e i l und g e h ö r e zu dem g ö t t l i c h e n G a n z en - das sind die Glieder am Leib in ihrem D e m u t s- und in ihrem H o h e i t s b e w u s s t s e i n. Geisteswesen zeigt sich stets in seiner Ich-Niedrigkeit: es ist nur ein Teilchen und in seiner Gotthoheit: es ist ein Glied am Leibe Christi.

Begnadungen, Dienste und Kräfte

Die Verteilungen haben einen dreifachen Grundcharakter. Die einfachsten sind die „G n a d e n g a b e n“. Das sind natürliche Begabungen und Kräfte, welche einer von Geburt an mitbekommen hat, und welche nun voll und ganz vom Heiligen Geiste in Beschlag genommen, Christo dienen: Zur Ehre des Herrn all mein Naturwesen! Wenn die Natur in den Geist und der Geist in die Natur geht, das ist Begnadung. Wenn diese Begnadungen für den Nächsten wirksam werden dann sind es „D i e n s t e“, Nicht Ämter sind hier gemeint, sondern Dienste. Das Geisteswesen d i e n t. Es wirkt nicht für sich, sondern für den Herrn und für andere. Die Geborenen Christi sind geborene Herrscher und herrschen im Dienen. Geistliche Begnadungen, mit welchen wir dienen, sind große göttliche „Kräfte“. Im Heiligen Geist werden Sünden überwunden, Sünder zerbrochen, Krankheiten gehoben oder freudig getragen, Schwierigkeiten im Glauben besiegt, Sorgen abgeworfen und auf den Herrn geworfen, da werden Feinde zu Füßen gelegt und selbst der Tod verschlungen vom Leben. Diese Begnadungen, Dienste und Kräfte - man könnte auch sagen: die in den Dienst Gottes und der Menschen gestellten Gnadenkräfte - sind Kennzeichen der Geistlichen.

Ein Geistlicher steht mit allem was er hat und ist, im Herrn; der dient mit dem, was er einsetzen kann und von ihm gehen ewige Kräfte aus. Und all diese Gaben, Dienste und Kräfte, so verschieden sie sind, atmen den e i n e n Geist; sie verklären den e i n e n Herrn, Jesus; sie loben und preisen den e i n e n Gott. Alles, was aus dem Fleische, aus der Natur ist, dient zur Kreaturenverherrlichung, auch das Religiöse. Alles, was aus dem Geiste ist, dient Christus und in Ihm dem Vater. „Und die Offenbarung des Geistes wird einem jeden gegeben auf das Zusammenbringen hin (1Kor 12:7). Luther sagt: zu gemeinen Nutzen. Gemeint ist: alles Geisteswesen, so verschieden es zerteilt ist, geht auf ein Zusammenbringen hinaus. Es hat die Vollendung des Leibes Christi an Seinem Tage im Auge. Es geht auf das große Ziel: Er vollkommen in uns und wir in Ihm - ein vollkommen einiger Leib in Christo.

Zur Auferbauung des Leibes Christi

Es mag einer äußerlich stehen, wie er will; er mag je nach seiner Führung seine Gaben in seiner Eigenart im Geiste ausleben: die Wirkung geht auf die Auferbauung und Sammlung des Leibes Christi. Die Wirkungsstrahlen aller geistlichen Menschen laufen in einem zusammen. Wer nicht geistlich ist, arbeitet am Vielerlei, oder vielleicht am Organisations-Einerlei; wer geistlich ist, steht am wunderbaren Leibesorganismus Christi, und sein Wirken kommt der Auferbauung dieses Leibes zugute - also dem Zusammenbringen. Je mehr eines Menschen Grundgesichtspunkt in seiner Eigenart dieser e i n e Geistesbau ist, je mehr er sich selbst dazu zurichten lassen will, und je mehr sein Wirken in der Führung des Herrn an seinem Platz dahin zielt, umso mehr ist er ein Geistesmensch. Die Natürlich-Religiösen bewegen sich in äußeren Aufgaben und Zielen, die Geistlichen im Leibesbau. Alle geistlichen Gaben sind bei jedem einzelnen aufs Zusammenbringen gerichtet.

Damit wir aber nun genau wissen, ob wir Geistesmenschen sind, zählt uns Paulus die zerteilten Gaben noch im einzelnen auf, damit wir prüfen können, ob wir die eine oder andere in uns wirksam haben. Eine oder auch mehrere beieinander hat jeder Geistesmensch. Es gibt unter den Geistlichen keine leeren Hüllen.

Weisheit und Erkenntnis

Dem einen ist gegeben das Wort der W e i s h e i t (1Kor 12:8). Das ist die Gabe der Einsicht - des Einblicks in Gottes Gnadenrat und den Durchblicks in Gottes Ausführungen des Gnadenrats: Ursprung und Ziel der göttlichen Absichten wissen, die Äonen in ihrer Sonderheit und Gemeinsamkeit verstehen, die praktische Lebensweisheit zur täglichen Ausführung des göttlichen Lebens haben. Das sind Dinge, welche etwa zum Wort der Weisheit gehören mögen.

Einem anderen ist gegeben das Wort der E r k e n n t n i s. Die Erkenntnis ist die innere Lebensvereinigung mit dem Herrn, das mit Ihm im Umgang stehen, so dass Er mir und ich Ihm bekannt bin. Das Wort der Erkenntnis geht auf das mystische Gemeinschaftsleben mit dem Herrn, das aber in denkender Klarheit sich vollzieht - also nicht verschwimmt. Diese Gnade des Personenverkehrs mit dem Herrn, und das Wort von ihr ist hochbedeutsam für die Förderung der Gläubigen.

Dass beide Gaben, die Weisheit und die Erkenntnis, aus e i n e m Geiste gehen, betont der Apostel sonderlich, weil ihm die Einheit in der Verschiedenheit die Hauptsache ist. Wahres Geisteswesen, so verschieden es ist, offenbart immer den e i n e n Urgrund und geht auf e i n Ziel. Bei der ganzen Aufzählung der Geistesgaben ist dem Apostel die innere Einheit immer das Hauptanliegen. Die Gaben Gottes, wo sie geistes- und lebensmäßig sind, verstehen sich und ziehen sich an.

Glaube und Heilungskräfte

So ist einem anderen in demselben Geiste der G l a u b e gegeben (1Kor 12:9). Der Glaube als Heilsglaube gehört allen Geistesmenschen zu. Der Glaube in allen Dingen des täglichen inneren und äußeren Lebens ist eine Gabe, mit welcher der Besitzer viel dienen kann. Es kann nicht jeder Geistesmensch unter allen Verhältnissen auch gleich glauben - der Glaubens-Geistes-Mensch kann ihm da dienen und Kraft sein. Einem anderen ist die B e g n a d u n g der H e i l u n g gegeben in demselben Geist. Sie dürfen nicht aneinander geraten, die Gabe des Glaubens und die Gabe der Heilung; sie sind Geschwisster. Der eine glaubt in einer Krankheit sich durch, indem er krank bleibt; ein anderer wird geheilt in demselben Geist. Das macht der Geist, wie Er will, wie es nach Seines Herrn ewigem Rat am besten ist. Die Gabe der Heilung ist auch eine allgemeine. Jeder Gläubige kann Heilungskräfte anziehen. Aber mancher hat die besondere Gabe zu heilen. Ist er Geistesmensch, so kann und wird er sie nur brauchen, wo es nötig ist, zur Auferbauung des Leibes. Die Gabe der Heilung darf nicht o h n e Zucht allgemein angewendet werden, sondern auch nur zum „Zusammenbringen“. Es können Kinder Gottes auch krank bleiben.

Dann haben sie die Gabe der w i r k s a m e n K r ä f t e (1Kor 12:10). Diese sind sonderlich zum Leiden, zum Tragen, zum Überwinden da. Geistesmenschen sind Träger wie ihr Heiland. Da braucht es viel Kraft. Es haben ihrer manche Kraftgaben, durch die sie anderen Kraft geben können. Es gibt geistliche Kraft-Menschen sonderlicher Art, welche den anderen Stütze und Halt sind.

Prophetie und Unterscheidung der Geister

Ein anderer hat die Gabe der Prophetie, d. i. der Auslegung des Wortes, des Einblickes in die Zeitverhältnisse und ihrer Durchleuchtung nach den göttlichen Wirkungslinien. Die Zeitströmungen nach Wesen und Art erkennen und beurteilen können, wie wichtig ist eine solche Gabe für das Kommen des Herrn und seine ins Licht-Stellung ist diese Gabe bedeutungsvoll.

Ein anderer hat die Unterscheidung der Geister. Für geistlich oder ungeistlich, für wahr oder falsch, für Ich-Wesen und zerbrochenes Wesen, für Anfangsstand und gereiften Stand und für viel anderes gehört zur Bewahrung vor vielem Schweren die Durchblicks-Gabe. Die Gläubigen brauchen sehr diese Unterscheidung; denn der Feind verstellt sich auch in einen Engel des Lichts.

Einem anderen ist gegeben das Reden mit Zungen, einem anderen die Auslegung des Zungenredens. Es ist die letzte der Gaben, welche Paulus erwähnt. Sie ist die innere wortlose Anbetung. Sie ist der innere Geistesverkehr mit dem Herrn ohne äußere Mitteilung. Sie ist Zeichen eines starken Innenlebens. Jeder Gläubige redet in Zungen, lebt je und je nur nach innen und oben ohne äußere Kundgebung. Als Gabe ist sie nach des Paulus weiteren Darlegungen im Leben der Gemeine von geringem Wert. Dies schon darum, weil sie einen Ausleger braucht. Der findet sich aber nicht immer. Diese Gabe ist, offenbar unter des Herrn Leitung, weil sie am leichtesten Verwirrung schuf, mehr zurückgetreten.

All diese Gaben wirkt derselbe einige Geist und teilt aus einem jeglichen zu, wie Er will. Der Herr weiß, wie Er die Seinen zu begaben und so fruchtbar zu machen hat. Jede Gabe hat ihre Verantwortung und ihr Leiden. Wollten wir Gaben, die uns nicht gebühren, so würde die Verantwortung uns richten, würden die Leiden uns erdrücken. Jede Gabe ist im Grunde gleich groß und gleich wichtig. Darum frage dich nur nach der deinen, und lass dich in ihr getreu machen. Möge der Geist die Gaben erwecken und dienstbar machen. Wo gar keine Gabe wäre, da wäre auch kein Geist. Der Geist gibt einem jeglichen seine Gabe.

Gottgeborene Geistesmenschen, gottbegabtes Geistesleben - wirksam in e i n e m Geiste und fruchtbar im Zusammenbau des Leibes Christi - das schenke uns der Herr in unseren Stunden. Und über allem die Einheit in der Mancherleiheit! - Wo sind unsere Geistlichen? Bist du einer?

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45. Die Klaren 2Kor 3:18 (1925)