Gleichnisse in Matthäus 13

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Version vom 18. Oktober 2020, 17:32 Uhr von MI (Diskussion | Beiträge) (Nicht ohne Buße)

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Die Gleichnisse Jesu - Eine Auslegung in prophetischer Sicht

Pfarrer Theodor Böhmerle (1870 - 1927)

Quelle: private Abschrift, Verlag unbekannt

Weitere interessante Abschriften siehe hier:

Inhaltsverzeichnis des Buches

Kapitel davor:
Der ungerechte Haushalter
Lk 16:1-13


In Bearbeitung

Gleichnisse in Matthäus 13

Die Siebenheit und die Eins

Das bedeutsamste Kapitel für die Auffassung und Fassung der Königreichsgleichnisse ist Mt 13. Schon die Siebenzahl der Gleichnisse, welche der Heilige Geist hier zusammengefügt, ist bedeutsam. Sieben ist die Zahl der Offenbarung in Bezug auf das Königreich. Alles, was Gott in Christo tut, sein Königreich wieder aufzurichten in der gefallenen Kreatur, das verläuft in der Sieben. Drei ist Gott, vier ist die Welt. Drei und vier, wenn also die Welt wieder in Gemeinschaft tritt mit Gott - das ist sieben. Das Volk aber, welches als Erstlingsvolk unter die Nationen das vollendete Heil tragen darf, das jüdische Volk - das läuft in der Fülle, in der Zwölf. Ihm ist Gott aufgeprägt und eingeprägt. Israel nach seiner Annahme ist gewissermaßen mit dem König multipliziert - drei mal vier - und führ herauf die 3 und 4 für alle Kreatur. Daher heißt das zielvollendete Volk 144 000, das ist 3 mal 4 mal 3 mal 4 mal 10 mal 10 mal 10. Das ist das Siebenervolk in seiner Vollendung für seine Nationenaufgabe. Die Gemeine ist im Gegensatz hierzu die glatte Eins. Die Gläubigen in Christus gehören in die Gotteinheit. „Ich in ihnen und sie in mir, auf dass sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir.“ Ein Glaube, eine Taufe, ein Geist, ein Herr und in ihm ein Leib. Hier geht alles in der Eins. Daher die Erstlinge oder die Einser. So zeigt die Siebenzahl das Jüdische bzw. Nationenmäßige an.

Und diese Siebenzahl ist wunderbar geteilt im Aufbau dieser Gleichnisse, wie sie oft geteilt ist, wo sie auftritt, in drei und vier. Das können wir besonders oft in den Psalmen verfolgen, ,deren ganze Einteilung im großen und einzelnen in der Sieben verläuft und sich immer wieder in drei und vier gliedert. Die drei ersten der sieben Königreichsgleichnisse unseres Kapitels geben den Gang im Königreich in seinen großen Verlaufslinien, man möchte sagen in seinem göttlichen Tenor. Die vier darauf folgenden Gleichnisse zeigen die menschliche Seite dieses Ganges bis zum Ziel hin.

Die prophetische Auslegung

Ehe wir nun in die eigentliche Darlegung dieses wunderbaren Sieben-Weges des Königreichs Christi eintreten, müssen wir noch vorausschicken,d ass wir nur die prophetische Auslegung der Gleichnisse zu geben versuchen. Jedes Gleichnis kann auch geistlich, in Beziehung auf die Gemeine und in Beziehung auf das geistliche Leben ausgelegt werden. Es sollen also mit der prophetischen Auslegung die geistesmäßig erbaulichen Auslegungen nicht ausgeschlossen werden. Alle Schrift von Gott eingegeben, ist nützlich. Aber in einer Hinsicht ist die prophetische auch für die rein erbauliche Auslegung sehr wichtig. Die prophetische Auslegung, welche den eigentlichen Grundsinn der Gleichnisse aufzudecken sucht, gibt die großen Grundlinien, innerhalb deren sich auch die erbauliche Auslegung bewegen muss. Die erbauliche Auslegung darf also nicht auslegen, was dem prophetischen Sinn widerspricht. Die erbauliche Auslegung darf nicht in ganz anderen Grundlinien laufen als die, welche der prophetische Sinn weist und aufdeckt. Das ist aber durch die Kirchenentwicklung hindurch vielfach geschehen. Man hat eben ausgelegt nach seinen Interessen und um seine manchmal verkehrten Marschrichtung zu decken. Wir müssen in dieser Hinsicht wiederholen, was wir schon manchmal gesagt haben, dass wir nämlich noch sehr viel katholische Auslegung haben. Doch nun zu den Gleichnissen.

Der Heiland geht aus von dem Boden, auf welchem er steht. Das tut alles prophetische Wort. Es wurzelt stets in der Gegenwart des Propheten. Es durchleuchtet die Gegenwart in Gericht und Gnade und führt aus der Gegenwartsanlage, gewissermaßen aus der Gegenwartsknospe, hinaus zum ausgewachsenen Ziel. Alle Prophetie ist wachstümlich. Da Oberlicht aus dem oberen Heiligtum sieht in den gegenwärtigen Dingen die Anlagen für die kommenden und zeigt deren Auswuchs. So ist's auch mit unseren Gleichnissen, sonderlich mit dem ersten.

Nicht ohne Buße

Der Heiland ist nächst der Versöhnung und Erlösung der ganzen Welt i Leiden, Sterben und Auferstehen zu allererst zu niemandem gekommen als allein zu den verlorenen Schafen vom Hause Israel. Das Verheißungsvolk in sein verheißenes Ziel und Erbe zu führen, war sein Zweck und seine Aufgabe. Darum geht er bei der Verwirklichung dieser Seite seiner Aufgabe immer aufs Ganze. Das ganze Volk soll ihn als den gekommenen, verheißenen Messiaskönig erkennen und in ihm erlöst und erneuert seine große Nationen-Aufgabe ergreifen. Darum geht es in den ersten drei Evangelien immer aufs Ganze. Schon Johannes der Täufer erregt das ganze jüdische Land zur Bußtaufe hin, und es geht auch in Massen zu ihm hinaus. Der Heiland tritt nach seinem Hervortreten völlig in die Fußstapfen des Johannes und dessen Jünger. In gewaltigem, das Ganze erregenden Zeugnis in Wort und Tat tritt er als der Verheißene auf. Er tut es aber immer in der Gehaltenheit und Zurückhaltung, dass nicht die unbußfertigen Massen in ihrem natürlichen, nicht völlig durchgebrochenen sinn ins Königreich hineintappen und es gewissermaßen als einen Raub an sich reißen. Ohne Buße und Vergebung, ohne Sinnesänderung und Bekehrung ist ja kein Königreich möglich. Aber mit Macht geht der Herr aufs Ganze. Er heilt, wie es genau, heißt, alle Krankheit und Siechtum im Volk.

Er rüstet die noch unmündigen, unerlösten Zwölfe ja, die noch unmündigeren Siebenzig aus und schickt sie in die Orte, und sie heilen jedermann; auch die Teufel sind ihnen untertan, Es geht auch durchs ganze Volk die innere und äußere Bewegung. Der Einzug in Jerusalem, wo zuvor die Erweckung des Lazarus die Massen bewegt, ist der Höhepunkt. Der Heiland als der Prophet sieht aber schon sehr früh, dass der Durchbruch nicht erfolgt. Er sieht und fühlt den Hass der Leitenden, denen ihre angemaßte Schriftgelehrten-Machtstellung - das Gesetz kennt ja keine Schriftgelehrten - wichtiger ist als das Königreich. Er sieht und erfährt aber auch die Oberflächlichkeit der Massen, die nur obendrauf erregt gar leicht wieder umgedreht werden können. Der Heiland fährt unentwegt fort, aber ernster und ernster wird sein Wort. Ernster und gewichtiger tritt der Gang und Weg zum Königreich vor seine Augen. Er muss das aussprechen: Er kann’s aber doch vor diesen Massen nicht kundtun. Da greift er zum Gleichnis. Wer will kann fragen. Die Hauptsache soll zugeschlossen sein für die Gemeine, die es erkennen soll zu ihrer Zeit und für das Volk, das es auch erkennen soll und wird zu seiner Zeit. Die Gleichnisse schließen sich erst mit den eintretenden Tatsachen auf. Ob Jahrhunderte hier im Finstern getappt haben, das tut nichts. Das prophetische Wort Gleichnisse wie Offenbarung, werden erst hell, wenn die Wende der Zeiten kommt, und die tritt jetzt ein.

Das schmerzliche Noch-Nicht